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Ikaria und der Tempel der Artemis
Ikaria gehört zu den größten und schönsten Inseln in der griechischen Ägäis. Ihren Namen hat sie von Ikarus, dem Sohn des Dedalus, der bei dem Versuch mit seinen Wachsflügeln zur Sonne hinaufzufliegen, abstürzte, und so geht die Sage, auf Ikaria zerschellte.
Direkt neben Samos liegend, ist diese wunderschöne, einzigartige Insel noch weitgehend vom Massentourismus verschont geblieben. Durch ihre geographische Lage inmitten der stürmischen und unberechenbaren pelagischen See und ihrer Topographie, es gibt praktisch keine natürlichen Häfen, blieb sie in der jüngeren Vergangenheit und bis in die Gegenwart hinein lange unbeachtet. Und das, obwohl sie so viel zu bieten hat:
Neben wunderschönen Sandstränden und einsamen Buchten mit kristallklarem aquamarinfarbenem Meereswasser, die auch anspruchsvollste Badeurlauber in Begeisterung versetzen, ist Ikaria auch besonders reich an Süßwasser: insgesamt acht Quellen, die zum Teil leicht strahlen, gibt es. Dies soll übrigens mit ein Grund dafür sein, dass die Bewohner dieser Insel außergewöhnlich alt werden (die 100 zu erreichen ist hier nichts Außergewöhnliches).
Diese Süßwasserquellen sind der Ursprung vieler Bäche, Flussläufe und aufregender Wasserfälle. Hier wimmelt es noch von Fischen und Aalen und auch Flusskrebse und Wasserschildkröten sieht man sehr häufig. Gesäumt sind diese Wasserläufe von blühendem Oleander in den unterschiedlichsten Farben. Überhaupt ist die Vegetation auf dieser Insel die reichste und vielfältigste der ägäischen Inseln. Die Pinien- und auch Eichenwälder auf den Hochebenen Ikarias gehören zu den größten noch erhaltenen und zu den ältesten ihrer Art in ganz Europa. Im Frühjahr und Sommer durch diese Wälder zu wandern, den Duft von Pinienharz, Stechginster, Blumen und Kräutern in der Nase, im Schatten lustwandelnd, ist ein besonderes Erlebnis und macht unter anderem den speziellen Reiz dieser Insel aus.
Die Natur und das Landschaftsbild Ikarias sind also im Gegensatz zu vielen anderen griechischen Inseln noch wesentlich intakter und unberührter erhalten geblieben. Und der Massentourismus mit all seinen negativen Nebenwirkungen und Konsequenzen auf Natur, Kultur und das Zusammenleben der Menschen hat hier noch kaum Einzug gehalten. Insbesondere das westliche Drittel der Insel ist hiervon noch unberührt: Es gibt noch kaum asphaltierte Strassen und die Menschen, die hier leben, sind herzlich und bodenständig. Auch die sprichwörtliche griechische Gastfreundschaft ist hier noch unverfälscht anzutreffen und viele Ortschaften existieren noch in einer anderen, verzauberten Zeit, fernab der neurotischen Geschäftigkeit und des immerwährenden Zeitdrucks unserer modernen Zivilisation. Das philosophische Motto hier dagegen ist: „Sega, sega..“, will heißen: „Immer schön langsam“. Man spürt, dass die Menschen hier noch mehr im Einklang mit der Natur leben und sich selbst weniger entfremdet sind.
Das 'alte', antike Ikaria
Die Geschichte Ikarias ist reich und abwechslungsreich: Die Einwohner Ikarias gehen noch größtenteils auf eine der ältesten griechischen Bevölkerungsgruppen, die Ionier zurück. Da sich die Bevölkerung nur wenig mischte trifft man heute noch auf sehr viele blonde und blauäugige Menschen.
Schon vor der griechischen Periode war die Insel bevölkert und wurde sehr von der Zivilisation der großen Muttergöttin aus Zentralasien und Anatolien beeinflusst. Hier liegen auch die Ursprünge von Dionysos, dem Gott des Weins, der Leidenschaft und der Ekstase, der erst später in den griechischen Götterpantheon dazustieß. Diese Naturreligion kam über die Inseln zum Festland und so geht die Sage, dass Dionysos, hier auf Ikaria als wahre, historische Person auf dem Berg Drakanos geboren wurde, und den Menschen das Geheimnis des Weinanbaus brachte.
Im „Goldenen Zeitalter“ Griechenlands, als die Kultur aufblühte, erlebte auch Ikaria einen beispielhaften Aufschwung. Damals war Ikaria besonders für seinen Wein (Pramnios Oinos) berühmt, der sogar von Homer in seiner Ilias besungen wurde. Gleichzeitig entstanden viele neue Städte und Heiligtümer auf der ganzen Insel. Das schönste und berühmteste davon war der Tempel der Artemis und die daneben liegende Kultstätte Tauropolis. Besonders der Artemistempel war im ganzen ägäischen Raum und darüber hinaus bekannt und wurde von verschiedenen Historikern erwähnt. Viele Schiffe machten damals auf ihrem Weg zu anderen Inseln oder dem Festland dort halt, um diese heilige Stätte zu besuchen und den Segen der Gottheit Artemis zu erbitten.
Später wurde die Insel dann von verschiedenen Nationen und Mächten beansprucht sowie immer wieder von Piraten überfallen. Zwischenzeitlich wurde sie von den Venezianern, Genuesen und später den Türken besetzt. In der Zeit von Byzanz erlebte sie noch einmal eine zweite Blütephase.
Diese geschichtsträchtige Atmosphäre ist auch heute noch deutlich spürbar. Neben den sichtbaren Hinterlassenschaften dieser großen Kultur sind auch in der Atmosphäre dieser Insel noch ursprüngliche Elemente des natürlichen Weiblichen -der Artemis-, und ein dionysisches Lebensgefühls lebendig. Auf diesen alten, kulturellen und mystischen Spuren wollen wir wandeln, und laden Sie ein, mit uns eine Reise zurück in diese Zeit zu unternehmen........
Nas
Die kleinen Ortschaft Nas, die im Westteil der Insel lokalisiert ist, stellt den Ausgangspunkt unseres Programms dar. Hier befinden sich auch die meisten Unterbringungsmöglichkeiten. Erst letztes Jahr wurde die Strasse. nach Nas asphaltiert, die aber schon am Ortsende wieder in ihren ursprünglichen Zustand übergeht. Entsprechend ruhig und gemütlich geht es in diesem kleinen, malerischen Dorf, das aus zwei Dutzend Häusern, Pensionen und Tavernen besteht, noch zu. Die Einwohner sind freundlich und offen. Jeder Vorwand ist hier gut genug, um ein kleines Fest in typisch griechischer Manier zu feiern. Das Essen ist natürlich ebenfalls traditionell griechisch und speziell in Annas Taverne, in der wir unsere Mahlzeiten einnehmen werden, besonders köstlich. Die Nahrungsmittel werden dort größtenteils von Annas Onkel, Vagelis, einem Bauern aus der Umgebung, bezogen bzw. aus dem Meer gefischt, und sind entsprechend lecker und gesund. Auch vegetarische Mahlzeiten können auf Wunsch hergerichtet werden.
Der Name des Dorfes, Nas, kommt aus dem altgriechischen und bedeutet Tempel. Er bezieht sich auf das antike Tempelgelände der Artemis und auf Tauropolis unten in der herrlichen, kleinen Bucht am Ende des Flusstals, auf das man von Nas herabblicken kann. Diesem Flusstal kann man stundenlang durch einen unberührten Canyon folgen, von einem Wasserbassin zum nächsten, an Wasserfällen und wilden Felsformationen vorbei, wie durch einen kleinen Garten Eden.
Das antike Tempelgelände liegt direkt an der Flussmündung des Flusses Chalares ins Meer oberhalb des Sandstrandes. Von den Ruinen ist leider nicht mehr viel zu sehen. Der Tempel selbst überstand die Zeit in einem außergewöhnlich guten Zustand bis um 1850 die Einwohner des Dorfes Raches ihn praktisch vollständig zerstörten. Mündlich überlieferte Erzählungen des Tempels beschreiben insbesondere eine wunderschöne Marmorstatue der Artemis im Vorhof des Tempels. Sie soll ein solches Meisterwerk gewesen sein, dass sie den Betrachter, egal von welcher Seite dieser sie anschaute, anblickte. Der Überlieferung zufolge soll diese Statue von den abergläubischen Dorfbewohnern in den Fluss geworfen worden sein, wo sie heute noch liegt. Viele antike Marmorsteine kann man heute noch im Meer und in verschiedenen Gebäuden und Kirchen in der Nähe sehen.
Die malerische Kulisse des Flusses und der Bucht unterstreicht noch die Magie und die kraftvolle Ausstrahlung dieses Platzes. Auch nach all diesen Jahrhunderten haftet diesem Platz noch immer etwas heiliges und mystisches an. Diese kraftvolle, mystische Atmosphäre wollen wir uns bei unseren verschiedenen Ritualen und bei der Anrufung des Orakels zu Nutze machen.
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